Histours

Sozialgeschichtliche Stadtführungen in Berlin-Schöneberg
Alltag und Verfolgung – Widerstand und Neubeginn – Das Bayerische Viertel 1900 bis heute

Histours ist ein Zusammenschluss von Geistes- und Sozialwissenschaftlern, die seit vielen Jahren in Forschung und pädagogischer Vermittlung tätig sind. Wir arbeiten für das Fritz Bauer Institut, die Stiftung »Denkmal für die ermordeten Juden Europas« und die israelische Holocaustgedenkstätte Yad Vashem sowie zahlreiche weitere Auftraggeber.

Our tours can also be booked in English.

Buchladen, Bayerischer Platz 1920
Buchhandlung am Bayerischen Platz um 1920

Das Bayerische Viertel

Schöneberg war 1906 eine eigenständige Gemeinde vor den Toren Berlins. Die Berliner Bau- und Bodengesellschaft von Georg Haberland nutzte die attraktive Lage und die gesunde Luft und errichtete in den folgenden Jahren ein Wohnviertel neuen Stils. Große Wohnungen, moderne Sanitäranlagen, lichte Höfe und Vorgärten waren charakteristisch. Weil Haberland bei der geschlossenen Planung und Bebauung zahlreiche Anleihen an fränkischer Architektur nahm, und viele Straßen nach Städten aus Bayern oder dem Alpenraum hießen, wurde das Quartier bald unter dem Namen »Bayerisches Viertel« bekannt. Wir zeigen Ihnen Stadtplanung, Zerstörung und das Alltagsleben aus hundert Jahren, architektonische Details, Wiederaufbau zwischen Marshallplan und Erinnerungspolitik.

Ausschnitt aus dem Bebauungsplan von 1904
Ausschnitt aus dem Bebauungsplan von 1904

Keine »jüdische Schweiz«

Viele Menschen jüdischen Glaubens oder solche, die nach 1933 als Juden verfolgt wurden, lebten im Bayerischen Viertel. Dabei ist die Rede von der »jüdischen Schweiz«, dem vermeintlichen Künstler- und Intellektuellenidyll trügerisch. Weder hatte Schöneberg den höchsten Anteil von Bewohnern jüdischen Glaubens in Berlin, noch waren alle Juden intellektuell und wohlhabend. Auf der Spurensuche in Archiven, Adressbüchern, Erinnerungen, Kleinanzeigen, Fotoalben, Zeitungen und Gerichtsakten sowie in den Straßen des Bayerischen Viertels finden wir ein anderes Bild: Koschere Metzgereien, jüdische Armenspeisungen, Handelsgehilfen und Dienstboten. Auch im Bayerischen Viertel gab es vor 1933 völkische Gewalttäter und Antisemiten, alltäglich und unübersehbar.

»Stolpersteine« vor der Freisinger Straße 8
»Stolpersteine« vor der Freisinger Straße 8

Verfolgung, Vernichtung, Neubeginn

Mit der Wahl Hitlers zum Reichskanzler begann die staatliche Verfolgung der Menschen, die das NS-Regime als »Juden« definierte. Rechtlosigkeit und Demütigungen zwangen viele zur Auswanderung. Privatleute und Staat eigneten sich ihr Vermögen an, Wohnungen im Bayerischen Viertel waren begehrt. Ab Herbst 1941 wurden die Berliner Juden deportiert und ermordet. Erinnerungsorte wie der Gedenkstein für die Synagoge in der Münchener Straße, Stolpersteine vor ehemaligen »Judenhäusern« oder die Gedenktafeln von Renata Stih und Frieder Schnock geben Anlass, die Verfolgungsbürokratie genauer anzusehen. Persönlicher Mut und »arische« Helfer ermöglichten Wenigen das Überleben. Aus ihrem Kreis entstand bald nach Kriegsende eine neue Jüdische Gemeinde zu Berlin.

Die Führung durch das Bayerische Viertel

Unsere sozialgeschichtlichen Stadtführungen durch das Bayerische Viertel dauern etwa zwei Stunden. Sie beginnen vor der Volkshochschule am Barbarossaplatz 5 (U 7 Eisenacher Straße, Ausgang Rosenheimer Str.) und enden am Bayerischen Platz (U7 und U4 Bayerischer Platz).

An einer Führung können bis zu achtzehn Personen teilnehmen.
Die zweistündige Führung kostet 200.- Euro.
Preise für Schulklassen auf Anfrage.

Bitte melden Sie sich an unter:
E-Mail: ralf.oberndoerfer@histox.de
Handy/Mobile: +49 170 381 4084

Bitte bezahlen Sie vorab per Überweisung oder spätestens bar zu Beginn der Führung.

Bankverbindung: Ralf Oberndörfer, LBB Berlin,
Kto-Nr. 133 0125 645, BLZ 100 500 00.

Wir behalten uns vor, die Führung bei extremen Witterungsverhältnissen kurzfristig abzusagen. Dazu benötigen wir vom Ansprechpartner Ihrer Gruppe eine Telefonnummer, unter der er/sie am Tag der Führung erreichbar ist.

Wir würden uns freuen, Sie bald im Bayerischen Viertel begrüßen zu dürfen.