Geschichte im Gerichtssaal

HISTOX Bildung und Lernen, Gerichte, Zeit und Geschichte

Zeugnisformen. Berichte künstlerische Werke und Erzählungen von NS-Verfolgten. So heißt ein 2015 von Dagi Knellessen und Ralf Possekel im Auftrag der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft” (EVZ) im Jahr 2015 herausgegebener Band, der die Ergebnisse von fünf Seminaren zur Bildungsarbeit mit Zeugnissen dokumentiert. In 27 Beiträgen untersuchen die Autorinnen und Autoren, welche Möglichkeiten der Vermittlung sich aus der umfangreichen Überlieferung von Zeugnissen aus der und über die Zeit der NS-Verbrechen ergeben können. Dazu schreiben Herausgeberin und Herausgeber in ihrer Einführung: „Eine zentrale Frage war und ist hier nach wie vor, was der Verlust und der Abschied von denjenigen, die die nationalsozialistischen Massenverbrechen erfahren, durchlitten und sie vor diesem Hintergrund vermittelt haben, für die Erinnerungskultur, für das zukünftige Geschichtsbild, dessen mediale Inszenierung und für die Bildung bedeuten werden.“

Das Buch hat 308 Seiten und ist in sechs Kapitel gegliedert: Zeitzeugeninterviews, Schriftzeugnisse, Autobiographische Zeugnisliteratur, Bildzeugnisse, Musik sowie Quellen aus NS-Prozessen. In diesem letzten Abschnitt findet sich auch ein Text von mir: Geschichte im Gerichtssaal – Juristische Aspekte von NS-Verfahren. Die Wahrheitsproduktion im Gerichtssaal geschieht unter den sehr spezifischen Bedingungen einer Prozessordnung. Nur das, was für die Urteilsfindung erheblich ist, soll und darf vom Gericht erfasst und bewertet werden, in der deutschen Strafprozessordnung hat der Angeklagte das Recht zu lügen. Obwohl diese Regeln den Fragestellungen von Historikerinnen und Historikern immer wieder Grenzen setzen, kann und sollte die Überlieferung aus Gerichtsverfahren noch viel umfassender als Quelle für die Bildungsarbeit herangezogen werden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Zeugenschaft der Überlebenden der Verbrechen eine Verbindung herstellt zwischen ihnen und den Nachgeborenen.

Zeugnisformen ist erhältlich über die Stiftung EVZ, Lindenstraße 20-25, 10968 Berlin, info(at)stiftungevz.de, 030 2592970 und kann auf der Website der Stiftung kostenlos als PDF heruntergeladen werden.